Die meisten Finanzprodukte sind teuer und Anleger schauen bei der Wahl zu wenig auf die Gebühren. Wer 100‘000 Franken mit 8 Prozent Bruttorendite anlegt, hat bei jährlich 2 Prozent Gebühren nach 20 Jahren einen Betrag von gut 320‘000 Franken. Wer bewusst auf die Kosten achtet und bei Bank- und Produktgebühren nur 0.5 Prozent ausgibt, kommt bei gleicher Bruttorendite auf einen Schlussstand von rund 425‘000 Franken. Insgesamt hat der kostenbewusste Anleger in den 20 Jahren über 100‘000 Franken Gebühren gespart. Wird der Anlagehorizont auf 30 Jahre verlängert, erhöht sich die Gebührendifferenz auf sagenhafte 301‘000 Franken.
Kosten variieren stark
Viele Anleger denken, dass die Kosten bei allen Anbietern von Finanzlösungen ähnlich hoch sind. Diese Annahme ist falsch. Bei Anlagefonds beispielsweise gibt es gewaltige Unterschiede. Viele aktiv verwaltete Fonds oder auch strukturierte Produkte verursachen Gebühren von deutlich mehr als 2 Prozent pro Jahr. Ein kostengünstiger herkömmlicher Aktienfonds gibt es aber auch schon für unter 1 Prozent Verwaltungsgebühr. Wer auch passive Anlageprodukte wie beispielsweise ETF (Exchange Traded Funds) einsetzt, ist bei den kostengünstigsten bereits mit 0.1 Prozent Jahresgebühr im Rennen. Auch die Gebühren bei Banken für Transaktionen (Courtage) und Depotführungsgebühren variieren stark. Einzelne Institute sind gut und gerne doppelt so teuer wie andere.
Vertrieb will teure Produkte
Der Vertrieb (Bankberater, Finanzberater etc.) wissen, dass die Kosten beim Anlegen entscheidend sind. Nichts desto Trotz haben sie nicht immer ein Interesse daran, kosteneffiziente Produkte einzusetzen. Das Problem ist folgendes: Je teurer ein Finanzprodukt ist, desto höhere Provisionen, sogenannte
Retrozessionen, werden an die Bank, das Beratungsunternehmen oder direkt an den Berater bezahlt. Die teuren Produktgesellschaften wissen, dass sie ohne den Anreiz einer Provision keine Chance gegen die billigeren Produkte hätten. Wer nun denkt, dass ein qualitativ gutes Produkt teuer sein muss, täuscht sich. Ein Grossteil des Preisunterschiedes von teuren und billigen Produkten wird nicht in Research und Marktanalysen investiert, sondern für die Bezahlung der Vertriebsträger verwendet. Das bringt dem Kunden nichts. Es erstaunt nicht, dass ETF von professionellen Anlegern wie Pensionskassen schon seit vielen Jahren eingesetzt werden. Diese institutionellen Anleger lassen sich gegen Honorar von Anlageprofis beraten und wissen, dass Provisionen einen grossen Teil der Rendite auffressen.
Privatkunden
Berater, die Provisionen heimlich einsacken, sind bei jeder Empfehlung einem Interessenkonflikt ausgesetzt: Wählen sie das günstigere (und vielfach bessere) Finanzprodukt oder jenes mit höheren Rückvergütungen? Auch Privatpersonen haben die Möglichkeit, sich gegen Honorar neutral beraten zu lassen. Die Bezahlung eines Honorars ist aber keine Garantie, dass der Berater neutral agiert – auch Honorarberater kassieren in der Schweiz Provisionen oder Teile davon oft selber. Wer sicher sein will, dass er nicht über den Tisch gezogen wird, sollte sich folgendes bestätigen lassen: Alle im Zusammenhang mit der Finanzberatung oder Vermögensverwaltung bezahlten Provisionen (Retrozessionen, Provisionen bei Versicherungsabschlüssen oder auch Bestandespflegekommissionen bei Anlagefonds etc.) werden vollständig und transparent ausgewiesen und wenn nicht ausdrücklich etwas anderes vereinbart, an den Kunden zurückbezahlt. Wer
Geld anlegenGeld anlegen will, kann dies auch ohne Berater tun. Voraussetzung ist, dass sich der Anleger das nötige Wissen selber aneignet.
Florian Schubiger
florian.schubiger[at]vermoegens-partner.ch
Veröffentlicht am: 07.02.2008 um 17:41:59 von
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